Begegnungshof

authentisch ~ natürlich ~ bewusst

Lebens- und Kulturraum Streuobstwiese

 

Der Begriff „Streuobstwiese“ ist ein junger Begriff und geht auf die 80er Jahre zurück, als man im Rahmen des Naturschutzes und in Abgrenzung zum modernen Plantagenobstbau einen passenden Begriff benötigte.

Insofern steht hinter dem Begriff heute eine bewertende Aussage. Die Streuobstwiese ist demnach eine Ansammlung von, in der Regel, großkronigen Hochstammobstbäumen, die aufgelockert in der Landschaft zu finden sind und deren Standfläche in der Regel das Dauergrünland als Unternutzung ist.

Eine Streuobstwiese ist zudem von einer extensiven Bewirtschaftung ohne den Einsatz von Herbiziden und chemischen Düngemitteln geprägt.

Historisch gesehen gibt es das Erscheinungsbild der Streuobstwiesen, damals noch als Obstgärten bezeichnet, seit dem Mittelalter. Der Stellenwert zeigt sich in der Anordnung von Karl dem Großen  „Verordnung über die Krongüter“ („Capitulare de villis imperialibus“) von 792 - 800 n. Chr.. Darin wird angeordnet was in den Gärten und Höfen zu pflanzen sei.  

Später entwickeln sich die Anpflanzungen auch außerhalb der Gärten von Klöstern und Herrschern  und dienen damit auch zunehmend der Bevölkerung als unmittelbare Versorgungsquelle vor Ort.

Aber auch dies wurde noch durch obrigkeitliche Anordnungen gesteuert, reglementiert und sogar bestraft (Baumfrevel).  Darauf reichen unsere heutigen Rituale zurück, wenn wir zu Geburten oder Hochzeiten einen Apfelbaum pflanzen.

Einen regelgerechten Handel mit Obst gab es indes noch nicht, hatte doch jeder seinen eigenen Obstbaum. 

Erst die Faktoren der Industrialisierung, große Wohneinheiten für die Arbeiter in Städten und der Fortschritt der Transportmittel, kurbelten Handelsstrukturen an. 

Im Laufe der Zeit wurde so auch aus dem Apfel eine Handelsware, dessen Anbau sich den sogenannten Bedürfnissen anpassen musste. Die Obstplantagen auf Niederstämmen konnten rationeller bewirtschaftet werden. Pflanzengiftmittel führten dazu, dass hoch krankheitsanfällige Sorten, die aber sonst für den Handel ideal waren (z.B. Golden Delicious ), angebaut wurden. 

Ein Tiefpunkt war sicher in der 60er/70er Jahren die Zahlung von Rodungsprämien für Hochstammobstbäume! 

Erst mit und mit gelang es den vielfältigen Wert von Streuobstwiesen wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. 

Heute erkennt man den hohen ökologischen Wert der Streuobstwiesen. Sie werden als der artenreichste Lebensraum Mitteleuropas bewertet. In seiner idealen Ausprägung wird davon ausgegangen, dass bis zu 5000 Arten dort ihr Zuhause habe. 

Neben den positiven ökologischen Faktoren besticht eine Streuobstwiese auch durch ihr landschaftsprägendes Bild, egal zu welcher Jahreszeit.   

Auch wenn es heute viele Initiativen, Vereine und sogar Förderprogramme gibt, die sich um den Erhalt der Streuobstwiesen und der alten Obstarten kümmern, steht es noch nicht zum Guten. 

Obst wird lieber makellos (weil chemisch behandelt) im Supermarkt gekauft. Das heimische Obst verfault oft ungenutzt unter den Bäumen.

Ohne Nutzung des Obstes und der Fläche wird es aber langfristig keinen Erhalt der Streuobwiesen geben können. 

 

Literaturempfehlungen:

 „Äpfel - Vom Paradies bis zur Verführung im Supermarkt“  von Stefanie Böge


 „Streuobstwiesen Lebensraum für Tiere“ von Helmut Hintermeier


„Streuobstbau“ von Markus Zehnder